Sie wollen nach Amerika auswandern, haben dort bereits einen neuen Job oder werden von Ihrem Arbeitgeber in eine amerikanische Tochterfirma versetzt? Haben Sie sich während eines Amerika-Urlaubs in Land und Leute verliebt und sind derzeit auf der Suche nach einem neuen Job? Wie auch immer Ihre derzeitige Situation aussieht, der Umzug in ein neues Land bringt vielerlei Herausforderungen mit sich und je früher man die rosarote Brille abnimmt und sich mit diesen auseinandersetzt, desto besser.
Neben den praktischen Dingen, die man regeln muss, wie z.B. einer neuen Wohnung bzw. Haus, Umzug mit Möbeln oder ohne, mit Familie oder alleine, werden die kulturellen Unterschiede häufig stark unterschätzt. Doch gerade wenn man auswandert und in einem neuen Land ein neues Leben beginnt und eine neue Arbeitsstelle antritt, ist es wichtig, dass man diese kulturellen Unterschiede kennt, um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen.Es mag für viele eine Überraschung sein, aber die Denkweisen von Deutschen und Amerikanern sind gegensätzlich. Amerikaner formulieren zunächst ihr Ziel oder ihre Theorie und finden danach erst die Details des ganzen heraus. Deutsche dahingegen erwägen zunächst die Details und bringen diese dann zu einem Ganzen zusammen. Konflikte und Missverständnisse können hier schnell auftreten, da Deutsche schnell das Gefühl bekommen, dass die Amerikaner unrealistische Vorstellungen oder Ideen haben, während die Amerikaner bei den vielen Details der Deutschen ungeduldig werden und sich wundern, ob diese je das Ziel erreichen. Manche sagen daher, dass Amerikaner Visionäre sind, die ihre Stärke darin haben, zu handeln. Im Gegensatz dazu gelten die Deutschen als Denker, die ihre Stärke in der Planung haben. Beide Herangehensweisen haben ihre Vor- und Nachteile.
Darüber hinaus wird den Amerikanern eine Anpackermentalität nachgesagt, wobei die Deutschen eher etwas vorsichtiger sind. Nicht umsonst wird Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten genannt. Auch wenn dies heutzutage nur noch bedingt zutrifft, haben die Zeiten des „American Dreams“ die Einstellung der Amerikaner natürlich stark geprägt. Bei den Deutschen heißt es auch schon mal öfter: „Es geht nicht!“ Der deutsche Hang zur Realität kann für Amerikaner sehr irritierend sein und für eine negative Grundeinstellung gehalten werden, welche Amerikaner wiederum als einen Mangel an Kreativität und Flexibilität auslegen.
Auch in den unterschiedlichen Formen der Kommunikation kann es zwischen Deutschen und Amerikanern schnell zu Missverständnissen kommen. Im Allgemeinen mögen Amerikaner es nicht besonders, direkt zu widersprechen. Daher benutzen sie ein klares „Nein“ selten in diesem Zusammenhang. Anstatt dessen verpacken sie ihre Abneigung in Euphemismen, wie „Ich verstehe, was du meinst, aber du solltest vielleicht überlegen, ob …“. Deutsche hingegen ziehen es vor verschiedene Meinungen zu diskutieren, um am Ende zum besten Ergebnis zu kommen. Wenn sie mit der Meinung ihres Gegenüber nicht übereinstimmen, sagen sie ganz direkt „Nein, ich denke, dass …“ oder „Ich bin anderer Ansicht“. Amerikaner deuten das „Nein“ als eine Negativformulierung, die das Gespräch blockiert. Im Gegensatz dazu verstehen Deutsche die amerikanische Höflichkeit und ständige Bejahung als Schwäche. „Nein“ bedeutet für einen Deutschen nicht, dass er seine endgültige Entscheidung gefällt hat.
Neben dem „Nein“ gibt es noch ein weiteres Wort, welches zu Schwierigkeiten führen kann, und zwar „Problem“. Deutsche benutzen das Wort „Problem“, um etwas zu beschreiben, was ihnen Sorgen, Schwierigkeiten oder Kopfzerbrechen bereitet. Amerikaner denken, dass alles für Deutsche ein Problem ist, was für einen Amerikaner eigentlich „Krise“ bedeutet. Amerikaner benutzen Worte wie „issue“ (Streitpunkt), „concern“ (Anliegen) oder „challenge“ (Herausforderung), wenn sie etwas beschrieben, was für Deutsche ein „Problem“ wäre. Dies kann Deutsche schnell verunsichern, weil sie davon ausgehen, dass es kein Problem gibt, wenn es sich tatsächlich um eines handelt.
Auch die Form des Zuhörens ist unterschiedlich. Amerikaner sind sogenannte aktive Zuhörer, die beim Zuhören mit Gesten und gesprochener Zustimmung, wie beispielsweise ein „Ich weiß, was du meinst“, auf ihren Gegenüber eingehen. Deutsche dahingegen hören schweigend zu und warten darauf, dass ihr Gegenüber eine Pause macht. Der amerikanische Stil kann von einem Deutschen als störend oder irritierend aufgefasst werden. Amerikaner im Gegenzug mögen sich bei einem deutschen Gegenüber wundern, ob dieser ihren Worten überhaupt Aufmerksamkeit schenkt.
Dass es zwischen Deutschen und Amerikanern bereits in der Kommunikation so viele Unterschiede gibt, ist für den einen oder anderen vielleicht zunächst erschreckend. Indem man sich jedoch dieser Kulturunterschiede bewusst wird, hat man bereits den ersten Schritt getan. Dennoch lohnt es sich, vor der Abreise in Erwägung zu ziehen, für eine oder zwei Wochen eine Sprachschule in den USA zu besuchen. Alternativ kann man natürlich auch einen Englischkurs zum Auffrischen der Sprachkenntnisse in Deutschland besuchen, allerdings ist man dann wieder nicht den kulturellen Unterschieden ausgesetzt.